#stayathome – and work: Erfahrungen mit dem Home-Office während der Corona-Krise

Heimarbeit hat Hochkonjunktur! Im Rahmen des wegen Corona so wichtigen „Social Distancing“ sollte schließlich so viel wie möglich vom Home-Office aus gearbeitet werden.
 
Eine solche Forderung ist fix dahingesagt – aber ist es wirklich so einfach, mal schnell ins Home-Office umzuziehen und effizient in den eigenen vier Wänden zu arbeiten?

Wir bei Crispy Mountain arbeiten schon seit Jahren „remote“, also „aus der Ferne“. Und das nicht etwa aus dem Grund, dass wir gerne zuhause sind, sondern vor allem, weil es uns erlaubt, passende Mitarbeiter zu finden, egal wo diese wohnen und arbeiten möchten. Ein funktionierendes Remote-Team aufzubauen ist allerdings mit Arbeit und Disziplin verbunden – es geht dabei also nicht nur um die Technik, sondern auch darum, wie man mit dieser Form der Zusammenarbeit umgeht. 
 
Im Zeichen von Corona haben wir einige unserer Kunden gefragt, wie sich die Auftragslage entwickelt, welche Erfahrungen sie mit der Arbeit im Home-Office machen und wie sie sich auf den Neustart einstellen wollen.

Auftragsminus von 30 bis 60 Prozent

Derzeit kann noch der Auftragsbestand abgearbeitet werden, die Auftragseingänge sind aber um 30-60 Prozent zurückgegangen. Trotz allem gibt es positive Einschätzungen. Markus Müller von drucken123 in Aschaffenburg beispielsweise ist zuversichtlich, dass das Unternehmen die Situation übersteht – es sei breit aufgestellt und nicht von einigen wenigen Kunden abhängig. 
 
Auch Ulrich Schätzl von Schätzl print emotion in Donauwörth ist optimistisch – nach einem Einbruch von knapp 60 Prozent zu Beginn der Corona-Krise ist der Auftragseingang langsam wieder auf das Niveau des Vorjahrs gestiegen. 

Unterschiedliche Home-Office-Ansätze

Sehr unterschiedlich ist die Umsetzung der Arbeit im Home-Office. Bei Bechtel Druck in Ebersbach an der Fils gibt es keinen offiziellen Home-Office-Erlass. Geschäftsführer Wolfgang Bangert: „Mitarbeiter nehmen vereinzelt Aufträge mit nach Hause, um bei der Kinderbetreuung unterstützen zu können. Wir hatten das Thema Home-Office schon generell geplant, da kam uns Corona dazwischen. Wir wollten unsere Leute aber nicht überstürzt von zu Hause arbeiten lassen, setzen die Infrastruktur lieber richtig auf, wenn alles wieder in ruhigen Bahnen läuft.“
 
Bei Schätzl print emotion arbeiten hingegen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Vertrieb, Kundenservice, Finanzen und Personalwesen schon seit Wochen von zuhause. Bei drucken123 arbeiten von acht Mitarbeitern drei zuhause, auch teilweise das Team der Vorstufe. LONGO Deutschland in Augsburg betreibt neben dem klassischen Akzidenzdruck 30 Corporate-Printing-Portale – und das gesamte E-Business-Team ist ins Home-Office umgezogen.

Cloud erleichtert Home-Office

Auf die Frage nach den verwendeten Systemen kommt LONGO Deutschland-Geschäftsführer Helfried Prünster schnell auf den Punkt: „E-Shops können von überall gepflegt werden.“ Spezielle Systeme seien also nicht notwendig. 
 
Auch Wolfgang Bangert setzt auf die Cloud: „Wir haben die Ninox-Datenbank, für die Kommunikation den Microsoft Exchange Server, Keyline für das Druckerei-Management und Dropbox für den Austausch von Dateien im Einsatz.“ Außerdem können Mitarbeiter im Home-Office über ein Virtual Private Network (VPN) auf die Server im Unternehmen zugreifen.
 
So hat auch Schätzl print emotion die Home-Offices an die unternehmensinterne Infrastruktur angebunden. Außerdem nutzt das Schätzl-Team die Cloud-basierten Programme der Google-Suite, Besprechungen werden über die Meeting-Lösung Zoom abgewickelt. drucken123 setzt auf Skype, Whatsapp, Teamviewer und E-Mail – über ein VPN wird nachgedacht.

Home-Office-Erfahrung zwiespältig

„Momentan schätzen die Mitarbeiter die Flexibilität, und wir sehen uns einmal wöchentlich zum Jour fixe. Ich glaube aber, dass in einigen Wochen alle wieder zurück wollen,“ schätzt Helfried Prünster die Lage ein. Auch bei Schätzl print emotion kommt das Team nach einer Eingewöhnungsphase mittlerweile gut zurecht – Ulrich Schätzl geht gar von teils höherer Effizienz aus. 
 
Markus Müller von drucken123 hingegen sieht Effizienz-Einbußen gegenüber dem persönlichen Gespräch im Büro. Wichtiger denn je ist für ihn außerdem die Klärung von Kompetenzen – sonst droht beispielsweise doppelte Arbeit in Kalkulation und Kundenkontakt. 
 
Wolfgang Bangert sieht den Umgang der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überwiegend positiv: „Man merkt schon jetzt, dass es Kollegen gibt, die sich anpassen. Der eine kommt täglich für ein paar Stunden, um nach dem Rechten zu sehen. Andere, die zurzeit viel telefonisch akquirieren, nehmen sich die Arbeit mit nach Hause und kommen einen Tag in der Woche, um sich auf Stand zu bringen. Und das Entscheidende: Sie machen es, ohne dass sie dafür eine Anweisung brauchen.“

Produktion mit angezogener Handbremse

„Wir stellen eine Komplettfertigung sicher, allerdings mit angezogener Handbremse. Für Schichten, die nicht gebraucht werden, haben wir Kurzarbeit angemeldet,“ – so beschreibt Wolfgang Bangert, wie sich Bechtel Druck in der Produktion auf die Krise eingestellt hat. 
 
Bei Schätzl print emotion arbeitet ein Team in der Produktion, ein weiteres steht zuhause „als Backup“ bereit. Man arbeitet in versetzten Schichten und setzt auf Desinfektion und klare Verhaltensregeln. Ähnlich geht Longo vor: „Wir haben Kurzarbeit und arbeiten in alternierenden Wochen zu etwa 50 Prozent.“ 

Freie Zeit nutzen, um sich neu aufzustellen

Wie bereiten sich die Druckereien auf den Neustart vor? Das Team bei LONGO nutzt die Zeit, alle  Corporate-Printing-Portale an Keyline anzubinden: „Dann sind wir schneller und flexibler, wenn es wieder losgeht.“ Helfried Prünster glaubt aber nicht an eine rasche Besserung der Auftragslage: „Die Druckindustrie ist immer eine der letzten Industrien, die nach einer Krise wieder auf Trab kommen, das war auch in der Finanzkrise so.“
 
Ulrich Schätzl ist optimistischer: „Wir denken, dass wir keinen ´Neustart` benötigen werden, da das B2C-Business derzeit weiter steigt.“ Abhängig von der Dauer der Sperre könnte sich das Geschäft sogar positiv entwickeln.
 
Markus Müller von drucken123 nutzt ebenfalls die Zeit: „Wir bauen gerade einen Online-Shop für das B2B-Geschäft auf. Das nimmt zwar viel Zeit in Anspruch, ich denke aber, dass wir gerade in der jetzigen Situation sehen, dass unsere bisherigen Vertriebswege nicht mehr ausreichen.“
 
Auch Wolfgang Bangert sieht es pragmatisch: „Die Probleme, die wir jetzt haben, wären auch ohne das Virus irgendwann gekommen – Corona ist nur ein Turbo gewesen. Wir wollen uns vorbereiten, indem wir uns noch stärker um die Märkte der Zukunft kümmern, also eine hohe Flexibilität entwickeln. Wir müssen uns weiter an die Bedürfnisse des Marktes anpassen können. Wie die aussehen, das kann uns heute noch niemand sagen. Der Printmarkt hat sich bereits gewandelt – wir haben ihn nur künstlich am Leben erhalten. In der Zukunft gilt es, für Kunden Konzepte zu entwickeln, die einen digitalen Workflow benötigen. Hier liegt auch der Schwerpunkt unserer Zukunft.“